Extremwetter bei Events: Warum nicht die Hitze Ihr größtes Risiko ist

Symbolbild für Unwetter: ein Haus in einer Sturmnacht ist am Horizont zu sehen, obendrüber ist ein Blitz sichtbar.
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Zuletzt aktualisiert am 5. Juli 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Das dreijährige Forschungsprojekt „KlimaEvent” der Hochschule Osnabrück, der Universität Osnabrück und der Gemeinde Bad Essen wurde mit rund 122.000 Euro vom Bundesumweltministerium gefördert und hat untersucht, wie sich Veranstaltungen auf Extremwetter vorbereiten lassen.
  • In den Befragungen des Projekts nannten 55 Prozent der Veranstalter Sturm und Windböen als größtes Risiko, während nur rund ein Drittel der Stände bereits konkrete Schutzmaßnahmen umgesetzt hatte.
  • Hitze belastet vor allem Mitarbeitende und Gäste, während Sturm und Starkregen vor allem die Infrastruktur und die Sicherheit der Besucher gefährden, weshalb ein reines Hitzekonzept die Risikolage nur teilweise abdeckt.
  • Auf der frei zugänglichen Website www.klima-event.info stehen kostenlose Checklisten für Hitze, Sturm und Starkregen mit konkreten Schwellenwerten und Warnstufen sowie Empfehlungen für Risikoanalyse und Krisenmanagement bereit.
  • Laut den Projektverantwortlichen lassen sich viele Risiken bereits mit einfachen Maßnahmen, klaren Zuständigkeiten und besserer Kommunikation senken, wenn Klimaanpassung früh in die Veranstaltungsplanung einfließt.

Seit der Hitzewelle im Juni 2026 ist mein Feed voll mit einem einzigen Wetterthema. Hitze, Hitze, Hitze. Die Sorge ist berechtigt, ich habe bereits einen Blogbeitrag dazu geschrieben. Aber ein Forschungsprojekt, das gerade wieder die Runde macht, setzt hinter diesen Reflex ein nützliches Fragezeichen.

Als die Forschenden nämlich Veranstalter fragten, wovor sie sich am meisten fürchten, war die Antwort nicht die Hitze. 55 Prozent nannten Sturm und Windböen als größtes Risiko. Und nur rund ein Drittel der Stände hatte überhaupt konkrete Schutzmaßnahmen getroffen. Das ist die eigentlich unbequeme Zahl.

Extremwetter bei Events meint eben mehr als heiße Tage. Es meint Hitze, Sturm und Starkregen, also Ereignisse, die den Ablauf, die Infrastruktur oder die Sicherheit einer Veranstaltung gefährden können. Genau diese Bandbreite gerät gerade aus dem Blick, während alle auf das Thermometer schauen. Für genau diese Bandbreite gibt es inzwischen eine kostenlose Checkliste aus einem Forschungsprojekt, mit konkreten Schwellenwerten für Hitze, Sturm und Starkregen. Ich blase deshalb nicht ins Katastrophen-Horn, sondern werfe einen nüchternen Blick auf das, was die Forschung empfiehlt.

Warum die Hitze gerade den Blick verstellt

Hitze ist sichtbar, sie steht in jeder Schlagzeile, und sie trifft alle gleichzeitig. Das macht sie zum dominanten Thema. Sturm und Starkregen wirken dagegen wie das alte, bekannte Risiko, mit dem man ohnehin umzugehen glaubt. Genau darin liegt der blinde Fleck.

Die Forschenden des Projekts „KlimaEvent” haben diese unterschiedliche Wahrnehmung sauber herausgearbeitet. Ihr Befund lautet sinngemäß: Hitze wird vor allem als Belastung für Mitarbeitende und Gäste erlebt, Sturm und Starkregen dagegen als Gefahr für Infrastruktur und Besucher. Beides sind reale Risiken, aber sie verlangen unterschiedliche Antworten. Ein Sonnensegel schützt niemanden vor einer umstürzenden Konstruktion bei einer Böe.

Wer im Sommer 2026 nur ein Hitzekonzept in der Schublade hat, deckt also die halbe Risikolage ab. Die andere Hälfte, die von den Befragten sogar als größere Gefahr eingeschätzt wird, bleibt oft ungeplant.

Was das Forschungsprojekt „KlimaEvent” untersucht hat

Hinter dem Befund steht keine schnelle Umfrage, sondern ein dreijähriges Projekt mit belastbarem Rahmen. Getragen wurde es von der Hochschule Osnabrück, der Universität Osnabrück und der Gemeinde Bad Essen, gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit rund 122.000 Euro. Als Fallbeispiel diente der Historische Markt in Bad Essen, der jährlich mehr als 50.000 Menschen anzieht. Interviews, Befragungen und Workshops mit Veranstaltern, Ausstellern, Technikdienstleistern und Besuchern lieferten die Datenbasis.

Ein Gedanke der Projektleitung trifft dabei den Kern. Sinngemäß heißt es, viele Maßnahmen würden erst ergriffen, wenn bereits Schäden entstanden sind. Genau das will das Projekt umkehren: Risiken früh erkennen und systematisch in die Planung integrieren, statt im Schadensfall zu reagieren.

Zur Einordnung, damit Sie nichts falsch datieren: Die Ergebnisse sind seit März 2026 öffentlich. Neu ist also nicht die Studie, sondern ihre Dringlichkeit. Was im Frühjahr eine kluge Empfehlung war, ist nach zwölf Hitzetagen und ersten Veranstaltungsabsagen zur akuten Frage geworden.

Die kostenlose Checkliste, und wie Sie sie nutzen

Das Nützlichste am Projekt ist, dass es nicht bei der Diagnose bleibt. Auf der frei zugänglichen Website www.klima-event.info stehen kostenlose Checklisten für Hitze, Sturm und Starkregen bereit, jeweils mit konkreten Schwellenwerten und Warnstufen, dazu Hinweise für Risikoanalysen und Empfehlungen für das Krisenmanagement. Für eine Branche, in der solche Grundlagen sonst teuer eingekauft werden, ist das ein seltenes Angebot.

Zwei Dinge sollten Sie dabei wissen. Erstens stammt die Checkliste von der Hochschule Osnabrück, nicht von mir, und sie ist bewusst allgemein gehalten. Zweitens ist genau das ihr Charakter: ein solider Startpunkt, kein fertiger Plan für Ihr konkretes Event.

Der eigentliche Schritt beginnt danach. Übersetzen Sie die Schwellenwerte in Handlungs- und Abbruchkriterien für Ihre Veranstaltung. Legen Sie fest, wer bei welcher Warnstufe was entscheidet. Klären Sie, wie Sie Gäste und Team im Ernstfall erreichen. Die Checkliste liefert das Raster, Sie füllen es mit Ihrer Realität aus Ort, Format und Gästegruppe.

Was Sie aus dem Befund für Ihre Planung mitnehmen

Aus der Studie lassen sich drei praktische Schlüsse ziehen, ohne dass Sie gleich einen Krisenstab aufbauen müssen.

Behandeln Sie Extremwetter als Kategorie, nicht als Einzelthema. Wer nur die Hitze plant, übersieht laut den Befragten das größere Risiko. Ein tragfähiges Konzept berücksichtigt Hitze, Sturm und Starkregen zusammen.

Unterschätzen Sie die weichen Faktoren nicht. Bemerkenswert am Projekt ist, dass sich viele Risiken schon durch klare Zuständigkeiten und bessere Kommunikation senken lassen, nicht nur durch teure Technik. Wer im Vorfeld festlegt, wer entscheidet und wer informiert, ist im Ernstfall handlungsfähig.

Denken Sie die Kostenseite mit. Ein wetterbedingter Abbruch ist nicht nur ein Sicherheits-, sondern auch ein Wirtschaftsthema. Warum das so ist und wer am Ende dafür aufkommt, habe ich in diesem Beitrag beschrieben. Und welche Grundlagen bei Wetter, Boden und Infrastruktur ohnehin in jede Open-Air-Planung gehören, finden Sie in diesem Beitrag.

Zwischen Aktionismus und Abwarten

Auch hier liegt die ehrliche Antwort in der Mitte. Nicht jedes Sommerfest braucht einen Meteorologen im Produktionsbüro, und unnötige Alarmierungen helfen niemandem. Aber jedes Event, das im Freien stattfindet, sollte einmal durchdacht haben, bei welchen Bedingungen es wie reagiert und wer diese Entscheidung trifft.

Das Verdienst des Projekts „KlimaEvent” ist, dass es diese Selbstverständlichkeit mit Zahlen unterlegt und ein kostenloses Werkzeug dazu liefert. Die Ausrede, es fehle an Grundlagen, gilt damit nicht mehr.

Häufige Fragen zu Extremwetter bei Events

Was ist das größte Extremwetter-Risiko bei Veranstaltungen?

Das hängt von der Perspektive ab. In den Befragungen des Forschungsprojekts „KlimaEvent” nannten 55 Prozent der Aussteller Sturm und Windböen als größtes Risiko. Hitze wird zwar als starke Belastung für Menschen erlebt, Sturm und Starkregen gelten aber als größere Gefahr für Infrastruktur und Besucher.

Wo finde ich eine kostenlose Checkliste für Extremwetter bei Events?

Auf der Website www.klima-event.info stellt das Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück kostenlose Checklisten für Hitze, Sturm und Starkregen bereit, inklusive konkreter Schwellenwerte, Warnstufen und Empfehlungen für Risikoanalyse und Krisenmanagement.

Reicht ein Hitzeschutzkonzept aus?

Nein. Ein Hitzekonzept deckt nur einen Teil der Risikolage ab. Sturm und Starkregen erfordern andere Maßnahmen, etwa bei der Standsicherheit von Konstruktionen, der Entwässerung und den Fluchtwegen. Ein vollständiges Konzept berücksichtigt alle drei Wetterlagen.

Wer sollte über einen Abbruch entscheiden?

Diese Zuständigkeit sollte vor dem Event schriftlich festgelegt sein. Wer erst im Ernstfall klärt, wer entscheiden darf, verliert wertvolle Zeit. Klare Verantwortlichkeiten gehören laut dem Forschungsprojekt zu den wirksamsten und günstigsten Schutzmaßnahmen.

Betrifft das auch kleine Events und Firmenevents?

Ja. Die Risiken skalieren mit Format und Ort, nicht mit der Bedeutung. Auch ein kleines Firmenevent im Freien sollte Schwellenwerte, Zuständigkeiten und eine Ausweichoption definiert haben. Bei steuerbaren Veranstaltungsformaten ist das oft schneller umgesetzt als bei einem offenen Festival.

Fazit

Die aktuelle Hitze hat das Thema Extremwetter in der Branche zu Recht nach oben gespült. Der Blick sollte aber nicht beim Thermometer stehen bleiben. Das Forschungsprojekt „KlimaEvent” zeigt mit belastbaren Daten, dass Sturm und Starkregen von Fachleuten als mindestens ebenso großes Risiko eingeschätzt werden, und dass viele Veranstaltungen darauf schlechter vorbereitet sind als auf Hitze. Die gute Nachricht ist, dass es dafür jetzt kostenlose, wissenschaftlich fundierte Grundlagen gibt.

Die Checkliste der Hochschule Osnabrück ist ein guter Startpunkt. Wenn Sie deren Schwellenwerte in ein konkretes Handlungs- und Abbruchkonzept für Ihr Event übersetzen und die Zuständigkeiten sauber klären möchten, helfe ich Ihnen, das zu strukturieren und die richtigen Fachleute einzubinden. Zur Event-Beratung | Zum Planungs-Check