ISO 20121: Was Unternehmen brauchen, wenn „klimaneutral“ als Argument wegfällt

Maßband auf grünem Untergrund als Symbol für messbare Ziele und überprüfbare Ergebnisse
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Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026


Wer ab dem 27. September 2026 über die Nachhaltigkeit seiner Veranstaltung sprechen will, braucht Zahlen statt Etiketten. Die Frage ist nur, wer diese Zahlen im Unternehmen erhebt und wer dafür sorgt, dass sie beim nächsten Event wieder vorliegen.


Das Wichtigste in Kürze

  • ISO 20121 ist eine Managementsystemnorm und kein Maßnahmenkatalog: Sie schreibt weder Mehrweggeschirr noch Bahnanreise bei Events vor, sondern verlangt, dass Unternehmen wesentliche Themen bestimmen, Ziele festlegen, Zuständigkeiten regeln und Ergebnisse überprüfen.
  • Die aktuelle Fassung der Norm erschien im April 2024, die deutsche Ausgabe liegt als DIN ISO 20121:2025-09 vor und legt stärkeres Gewicht auf messbare Ziele, Wesentlichkeitsanalyse und soziale Wirkung.
  • ISO selbst vergibt keine Zertifikate: Eine Zertifizierung erteilen akkreditierte Stellen, und ihr Geltungsbereich kann auf einzelne Veranstaltungen, Veranstaltungsreihen oder Unternehmensbereiche begrenzt sein.
  • Eine Zertifizierung nach ISO 20121 bescheinigt das Managementsystem einer Organisation und nicht die Umweltleistung einer einzelnen Veranstaltung.
  • Auch ohne Zertifizierung lässt sich die Struktur der Norm anwenden: Wer Ziele, Zuständigkeiten und Ergebnisse dokumentiert, verfügt über die Belege, mit denen sich konkrete Aussagen stützen lassen.


Kurz zur Ausgangslage

Ab dem 27. September 2026 sind pauschale Umweltaussagen ohne Nachweis unzulässig. Ebenso der Hinweis von Klimaneutralität auf Basis zugekaufter Kompensationszertifikate und selbst gestalteter Nachhaltigkeitssiegel ohne anerkanntes Zertifizierungssystem. Welche Tatbestände im Einzelnen greifen, welche Formulierungen bleiben und warum auch reine Firmenevents nicht automatisch außen vor sind, habe ich in folgendem Blogartikel beschrieben: [Klimaneutrales Event: Warum dieser Begriff ab 27. September 2026 zum Risiko wird].

Dieser Beitrag setzt dort an, wo jener aufhört. Er endet mit dem Satz: Wer die Zahlen nicht hat, sollte auf die Aussage verzichten. Bleibt die Frage, wie man an die Zahlen kommt.


Was ISO 20121 wirklich ist

Zuerst soll ein Missverständnis ausgeräumt werden. ISO 20121 ist keine Liste mit Maßnahmen. Sie sagt Ihnen nicht, dass Sie Mehrweggeschirr einsetzen, regionale Caterer beauftragen oder auf Give-aways verzichten sollen. Stattdessen beschreibt sie, wie eine Organisation zu solchen Entscheidungen kommt und wie sie überprüft, ob die Entscheidungen gewirkt haben.

Der Kern besteht aus vier Fragen:
– Welche Nachhaltigkeitsthemen sind für unsere Veranstaltungen wesentlich?
– Welche messbaren Ziele setzen wir uns dazu?
– Wer ist zuständig?
– Und was ist am Ende tatsächlich herausgekommen?

Genau diese Struktur erzeugt die Belege, die ab Ende September 2026 den Maßstab bilden, auch für die zukünftige Kommunikation. Dabei deckt die Norm alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen ab, also Ökologie, Soziales und Wirtschaftlichkeit. Die Fassung von 2024 hat den sozialen Teil deutlich gestärkt, etwa bei Inklusion und Teilhabe.


Fünf Schritte ohne Zertifizierung


Die meisten Unternehmen mit zwei bis vier Veranstaltungen im Jahr werden sich nie zertifizieren lassen. Das ist kein Hindernis, denn die Logik der Norm funktioniert auch ohne Audit.


1. Wesentliche Themen bestimmen

Setzen Sie sich für eine Stunde im Team zusammen und halten Sie fest, wo Ihr Event die meisten Ressourcen verbraucht. Bei Corporate Events sind das meist Anreise, Energie und Verpflegung. Dekoration und Druckerzeugnisse fallen optisch auf, wiegen im Verbrauch aber selten schwer. Diese Priorisierung erspart Ihnen die Beschäftigung mit Nebenschauplätzen.


2. Ziele messbar formulieren

Ein Ziel unterscheidet sich von einer Absicht dadurch, dass Sie es hinterher überprüfen können. „Weniger Fleisch“ ist eine Absicht. „Zwei von drei Hauptgängen werden vegetarisch“ ist ein Ziel. Zwei bis drei Ziele pro Event reichen aus.


3. Zuständigkeit benennen

Nachhaltigkeit ohne verantwortlichen Namen dahinter verschwindet im Projektstress. Eine Person im Team führt das Thema. Diese Person braucht zwar keine Zusatzqualifikation, aber ein Mandat und real verfügbare Arbeitszeit.


4. Dienstleister einbinden

Ein Großteil Ihrer Wirkung entsteht bei Caterer, Location und Technik. Formulieren Sie Ihre Anforderungen in der Anfrage an die Dienstleister, nicht im Nachgespräch. Denn ein Satz in der Ausschreibung wirkt stärker als jede spätere Bitte.


5. Ergebnisse festhalten

Nach dem Event notieren Sie in zwanzig Minuten, was erreicht wurde und was nicht. Diese Notiz ist Ihr Beleg für die Kommunikation und gleichzeitig die Grundlage für das nächste Event.

Warum diese Struktur zum Planungsprinzip gehört und nicht zur Nachbereitung, habe ich im Beitrag [Nachhaltigkeit im Eventprozess].


Wenn der Dienstleister mit ISO 20121 wirbt

Agenturen, Locations und Caterer werben zunehmend mit der Norm. Das ist legitim und oft berechtigt. Prüfen sollten Sie trotzdem drei Punkte.

Erstens den Geltungsbereich. Eine Zertifizierung kann sich auf das gesamte Managementsystem beziehen oder nur auf einzelne Veranstaltungen. Im zweiten Fall darf der Anbieter die Konformität nicht für sein gesamtes Haus beanspruchen. Fragen Sie nach, was genau zertifiziert ist.

Zweitens die Zertifizierungsstelle. ISO vergibt keine Zertifikate. Ausstellen darf sie eine akkreditierte Stelle, und deren Name steht auf dem Dokument. Eine goldene Plakette ohne Absender ist kein Nachweis.

Drittens die Gültigkeit. Zertifikate laufen ab und ein Datum aus dem Jahr 2021 sagt wenig über heute.

Diese drei Fragen kosten Sie fünf Minuten und ersparen Ihnen die Situation, dass Sie eine fremde Aussage übernehmen und selbst dafür geradestehen.


Häufige Fragen zu ISO 20121

Ist ISO 20121 ein anerkanntes Zertifizierungssystem im Sinne der neuen Regeln?

Eine Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle beruht auf einem etablierten System und unterscheidet sich damit deutlich vom selbst gestalteten Logo. Sie bescheinigt allerdings das Managementsystem Ihrer Organisation oder Ihres Unternehmens und nicht die Umweltleistung einer einzelnen Veranstaltung. Aus einer Zertifizierung lässt sich deshalb kein Nachhaltigkeitsversprechen für ein konkretes Event ableiten. Wie weit der Hinweis auf die Zertifizierung in der Werbung reichen darf, klären Sie im Zweifel anwaltlich.

Müssen wir zertifiziert sein, um konkrete Aussagen treffen zu dürfen?

Nein. Verlangt werden nämlich Belege und keine Zertifikate. Eine Zertifizierung ist ein Weg, diese Belege systematisch zu erzeugen. Für Unternehmen mit wenigen Veranstaltungen im Jahr genügt es in der Regel, die Struktur der Norm anzuwenden.

Welche Fassung der Norm ist aktuell?

Die überarbeitete Fassung erschien im April 2024. Die deutsche Ausgabe liegt als DIN ISO 20121:2025-09 vor und ersetzt die ursprüngliche Fassung von 2012.

Was kostet eine Zertifizierung?

Das hängt von Unternehmensgröße, Anzahl der Standorte und gewähltem Geltungsbereich ab. Deshalb gibt es keine seriöse Pauschalzahl. Vor der Kostenfrage steht ohnehin die Entscheidung, ob eine Zertifizierung bei Ihrer Zahl an Veranstaltungen sinnvoll ist.

Hinweis

Dieser Beitrag gibt den Stand von August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob eine konkrete Formulierung zulässig ist, klären Sie bitte mit einer auf Wettbewerbsrecht spezialisierten Kanzlei.

Ihr nächster Schritt

Die vier Fragen der Norm für ein einzelnes Event zu beantworten, ist die Arbeit eines Vormittags. Sie so zu verankern, dass die Antworten beim nächsten Event wieder vorliegen, ist eine Frage der Organisation. Genau daran arbeite ich mit Teams im [Event-Mentoring]. Wenn Sie zunächst wissen möchten, welche Nachhaltigkeitsthemen bei Ihrem konkreten Vorhaben überhaupt wesentlich sind, ist der [Planungs-Check für 27 EUR] der schnellere Einstieg.